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Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie (KJP) 182, 2/2019
Autismus-Spektrum-Störungen – Verborgene Welten
Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie 182
Mit Beiträgen von Rotraut De Clerk, Joshua Durban, Novina Göhlsdorf, Hans Hopf, Jack, Marie-Christine Laznik, Wolfgang Oelsner, Hans W. Saloga
1. Aufl. 2019
192 S., Pb., 
24,90 €
ISBN 0000000000000

Lieferbar

Inhalt


Vorwort

Hans Hopf
ADHS und Autismus-Spektrum-Störung
Von der medizinischen Diagnose zur Untersuchung nach neurosenpsychologischen Aspekten


Joshua Durban
Die Reise in das Land der Farben: Die Psychoanalyse und Behandlungstechnik autistisch-psychotischer Zustände und Ängste

 

Marie-Christine Laznik
Eine Mutter-Kind-Therapie mit einem kleinen Mädchen mit Autismusrisiko von vier Monaten bis zwei Jahren

 

Wolfgang Oelsner
Welchen Auftrag kann analytische Psychotherapie bei Autismus-Spektrum-Störungen überhaupt übernehmen?

 

Rotraut De Clerk
Rückzug in virtuelle Welten
Zur Psychoanalyse eines Internetpornografie-süchtigen jungen Mannes


Hans W. Saloga / Jack
»… ist immer schön, mal nicht die Gedanken alleine mit sich rumzutragen«
Asperger-Autismus – sein Arbeitsprozess, gesehen in Texten eines Jugendlichen

 

Novina Göhlsdorf
Autismus. Diagnose der Gegenwart

 
E-Books zu diesem Titel:

Gesamtheft (KJP 182, E-Journal) Format: pdf
Preis: 18,50 €

Beitrag: Hans Hopf, ADHS und Autismus-Spektrum-Störung. Von der medizinischen Diagnose zur Untersuchung nach neurosenpsychologischen Aspekten (KJP 182, E-Journal) Format: pdf
Preis: 7,90 €
Die Zahl der Autismus-Diagnosen ist weltweit angestiegen. Auch in Deutschland wird die Diagnose »Autismus-Spektrum-Störung« immer häufiger vergeben. Zum einen sind Vereinzelung und Rückzugsverhalten Teil einer kollektiven Pathologie. Wir leben in einer Welt von Einsamkeit, gestörten Beziehungen, von Elterntrennungen und Rückzugstendenzen. Autistische Züge können aber auch leicht mit anderen Merkmalen verwechselt werden, bei Bindungsstörungen, bei schizoiden Tendenzen, narzisstischen Störungen oder bei depressiven Rück­zügen. Oft werden einzelne Diagnosekriterien herausgegriffen und verabsolutiert, auch werden Differenzialdiagnosen nicht immer gründlich erörtert. Es besteht die Gefahr, dass die Autismus-Spektrum-Störung in ähnlicher Weise ausgeweitet werden könnte wie bereits die ADHS. Für die Erstellung eines Therapieplans benötigen Psychoanalytiker immer eine eigene schlüssige Psycho­dynamik sowie eine Diagnose nach neurosenpsychologischen Aspekten.


Beitrag: Joshua Durban, Die Reise in das Land der Farben: Die Psychoanalyse und Behandlungstechnik autistisch-psychotischer Zustände und Ängste (KJP 182, E-Journal) Format: pdf
Preis: 7,90 €
Dieser Artikel beschreibt die Psychoanalyse eines Mädchens im autistisch-­psychotischen Spektrum und ihre psychoanalytische Reise, die sie aus einer schweren autistisch-pathologischen Organisation herausführte. Ausgangpunkt war ein Zustand autistischer Verwirrung, der sich zunächst als mangelhafte Farb- und Gefühlsdifferenzierung zeigte. Durch Deuten und Durcharbeitung der tiefen existentiellen Ängste der Patientin konsolidierte sich die vorher nur prekäre Spaltungsabwehr, und das Mädchen entwickelte eine verbesserte Fähigkeit für Gefühlswahrnehmung und Gefühlsdifferenzierung. Dies führte zunächst zu psychotischen Phasen, ermöglichte aber auch das Aufblühen von Bezogenheit, Kommunikation und Anteilnahme und damit den Beginn von Integration und Wiedergutmachung. Besondere Betonung wird in diesem Bericht auf das Bedürfnis des Analytikers gelegt, die wechselnden Angstniveaus in der ­Patientin und in sich selbst zu erkennen, um diese in eine angemessene Deutungstechnik übersetzen zu können, wobei hierzu das Übertragungs-Gegenübertragungs-Geschehen sorgfältig in Augenschein genommen wurde.

Beitrag: Marie-Christine Laznik, Eine Mutter-Kind-Therapie mit einem ­kleinen Mädchen mit Autismusrisiko von vier ­Monaten bis zwei Jahren (KJP 182, E-Journal) Format: pdf
Preis: 7,90 €
Es wird eine psychoanalytische Mutter-Kind-Therapie mit einem Baby beschrieben, das einen Beziehungsaustausch verweigert, und es sich daher die diagnostische Frage stellt, ob es sich um ein Autismusrisiko handelt, was durch eine sensomotorische Untersuchung erhärtet wird, oder um eine Säuglingsdepression. Unter Verwendung der Prosodie des Mutterischen und der Beachtung der körperlichen Schwierigkeiten dieses Babys gelingt es zunächst der Analytikerin, dann über die Lust an einem oralen Triebspiel auch der Mutter, in Kontakt mit dem Kind zu treten. Die Autismusgefahr ist gebannt, doch es taucht das Risiko einer kindlichen Psychose auf. Die extrem stark entwickelte Bindung des Kindes an die Mutter geht zulasten der Sprachentwicklung. Eine fast gewaltsame Trennung in einer Sitzung ermöglicht das Auftauchen der Sprache. Zeitgleich erscheint der Vater als Akteur der Trennung von Mutter und Kind. Die weitere Entwicklung des Kindes verläuft gut.

Beitrag: Wolfgang Oelsner, Welchen Auftrag kann analytische Psycho­therapie bei Autismus-Spektrum-Störungen überhaupt übernehmen? (KJP 182, E-Journal) Format: pdf
Preis: 7,90 €
Der Beitrag problematisiert psychoanalytische Therapie bei einem Störungsbild, das als biologisch verursacht und anerkanntermaßen als »nicht wegtherapierbar« gilt und das heute Behandlungsdomäne der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist.
Neurobiologische und neuropsychologische Besonderheiten im autistischen Störungsspektrum begründen Zweifel an Evidenzen im Übertragungs-Gegenübertragungsgeschehen sowie an der Deutbarkeit des in Therapiestunden gezeigten Verhaltens und Spielmaterials. Auch die bei Autismus charakteristischen stereotypen Patterns erschließen sich nicht primär psychodynamisch als Ausdruck eines neurotischen Konflikts. Der Paradigmenwechsel von einst tiefenpsychologisch-­dechiffrierenden Verfahren zu primär kognitiv-behavioristischen Therapieansätzen im Rahmen von Psychoedukation ist nachvollziehbar.
Ein Auftrag für psychoanalytische Fachkräfte wird im interdisziplinären Verbund bei der Differentialdiagnostik gesehen, besonders bei Überlappung von autis­tischen Spektren mit multiplen Komorbiditäten. Im Containmentangebot für ­betroffene Eltern ist ein psychodynamisches Verständnis angezeigt, und im heilpädagogisch-therapeutischen Setting – besonders bei der Arbeit mit Gruppen – ­bewährt sich das «szenische Verstehen« als eine Variante der Psychoanalyse.

Beitrag: Rotraut De Clerck, Rückzug in virtuelle Welten. Zur Psychoanalyse eines Internetpornografie-­süchtigen jungen Mannes (KJP 182, E-Journal) Format: pdf
Preis: 7,90 €
In der Arbeit geht es um die Frage nach den Voraussetzungen für den Rückzug in einen exzessiven Internetpornografie-Konsum. Auf der einen Seite stehen Erfahrungen von (sexuellem) Scheitern oder tiefer Ablehnung. Auf der anderen Seite steht das Internet mit seinem Versprechen nach unmittelbarer Bedürfnisbefriedigung und seinem süchtig machenden Potential. Das Zusammenspiel beider Faktoren wird vor dem Hintergrund des Fallberichtes, einer hochfrequenten analytischen Behandlung eines jungen Mannes, untersucht, dessen Internet-pornografie-Konsum zunehmend alle seine sonstigen Interessen aufzusaugen drohte. Die Schilderung der Übertragungs-Gegenübertragungsbeziehung in der Behandlung lässt die psychischen Faktoren erkennbar werden, welche bei seinem Rückzug eine entscheidende Rolle gespielt hatten. In der Folge werden die analytischen Prozesse diskutiert, welche im Verlauf für eine schrittweise Wiederannäherung an die Welt der Objekte bedeutsam wurden. So versteht sich die Arbeit auch als ein Beispiel für das Ineinandergreifen von Triebvorgängen und Objektbeziehung bei dieser Symptomatik.

Beitrag: Hans-W. Saloga / Jack, »… ist immer schön, mal nicht die Gedanken alleine mit sich rumzutragen«. Asperger-Autismus – sein Arbeitsprozess, gesehen in Texten eines Jugendlichen (KJP 182, E-Journal) Format: pdf
Preis: 7,90 €
Der Autor arbeitet therapeutisch seit vielen Jahren mit jungen Asperger-­Menschen. Die Frage, ob hier Therapie im klassischen Sinn – lege artis – notwendig bzw. sinnvoll sein kann – und wenn ja, welche –, soll ein Gegenstand dieser Arbeit sein. Sie will auch versuchen, auf psychoanalytischer Grundlage und vermittels einer Darstellung aus der therapeutischen Arbeit, deren Möglichkeiten und Erfolge darzulegen und möglicherweise zu einem besseren Verständnis des inneren Erlebens eines isolierten, aber intellektuell brillanten jungen Menschen beizutragen. Die Texte eines Jugendlichen, die seine Entwicklung, Schwierigkeiten und Errungenschaften verdeutlichen, sollen den Prozess dieser gemeinsamen Arbeit wegweisend begleiten. Ausgangspunkt ist eine Herangehensweise, die nicht, wie sonst üblich, von Krankem, Gestörtem ausgeht, sondern von Positivem, Bereicherndem.

Beitrag: Novina Göhlsdorf, Autismus. Diagnose der Gegenwart (KJP 182, E-Journal) Format: pdf
Preis: 7,90 €
Der Artikel bietet eine wissenshistorische und kulturanalytische Perspektive auf Autismus. Einleitend wird das Titelbild der Autismus-Tagung »Verborgene ­Welten« der VAKJP betrachtet: als Darstellung des Autismus, die ein spezifisches Wissen von ihm abbildet und hervorbringt. Mit Blick auf drei Schauplätze innerhalb der Geschichte des Autismus wird gezeigt, wie jedes Autismus-Konzept kultur- und wissenshistorisch bedingt und zugleich Einsatzpunkt der Verhandlung zentraler kultureller Themen war. Autismus-Konzepte sind daher jeweils Diagnosen ihrer Gegenwart. Heute ist Autismus auch insofern eine Diagnose der Gegenwart, als er öffentlich bekanntes Phänomen und häufiger Gegenstand von Repräsentationen in Wissenschaft und Kunst, Pop- und Alltagskultur ist. Obwohl Äußerungen von Menschen mit Autismus dessen heutige Konzeptionen beeinflussen, bildet er weiterhin und stärker denn je eine Folie, anhand derer die Gesellschaft sich selbst, ihre Möglichkeiten und Grenzen vermisst. Als solcher gibt er Aufschluss über gegenwärtige Debatten, ist also von gegenwartsdiagnostischem Wert. Aktuell werden mit ihm besonders anthropologische Fragen nach dem Status des Humanen gestellt. Ausgehend von einem YouTube-Clip von A. Baggs werden derartige Beanspruchungen und übliche Interpretationen des Autismus kritisch bedacht. Vielleicht ist er gerade nicht in einer verborgenen, verschlossenen Welt zu verorten, sondern als maximale Offenheit und Beziehungsfähigkeit zu verstehen?

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