Rose Ahlheim / Agathe Israel
Leben nach dem Trauma
Wie kann eine Prävention für Frühgeborene aussehen?
Die Fortschritte in der Perinatalmedizin ermöglichen immer mehr zu früh geborenen Kindern das Überleben, selbst wenn sie noch extrem unreif sind. Unser Beitrag befasst sich mit der psychischen Entwicklung Frühgeborener in ihren ersten Lebenswochen. Wir verwenden Beobachtungsmaterial, das wir auf der Frühgeborenen-Intensivstation der Universitätsklinik Turku/Finnland mit der Methode der teilnehmenden Säuglingsbeobachtung nach Esther Bick gewonnen haben. Wir werden mit Rücksicht auf das Thema und aus Platzgründen nur einige Ausschnitte aus den Beobachtungen vorstellen und nur einige Gesichtspunkte bearbeiten. Unsere Berliner Arbeitsgruppe »Frühes Erleben und frühe Hilfe« besteht zur Zeit aus vier aktiven Mitgliedern. Wir konnten unsere fi nnischen Beobachtungsprotokolle
mit Rita Stockmann und Cecilia Salamanca ausgiebig diskutieren. Ihre Diskussionsbeiträge und -protokolle sind mit eingefl ossen in die hier vorliegende Arbeit. Wir waren nach Finnland gereist in der Hoffnung, dort besonders sorgfältig ausgearbeitete Konzepte der »Frühchen«-Versorgung kennenlernen zu können, und diese Erwartung wurde nicht enttäuscht.
Schlüsselworte: Frühgeburt, Beziehungsqualität, Introjektion, Spiegeln, Prävention.
Angelika Wolff
10 Jahre psychoanalytisch fundierte Präventionsprojekte in Kindertagesstätten der Stadt Frankfurt am Main
In diesem Beitrag möchte ich über die Präventionsprojekte in Kindertagesstätten der Stadt Frankfurt berichten, die das Sigmund-Freud-Institut und das heutige Anna-Freud-Institut Frankfurt (vorher: Institut für analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie) seit 2003 und damit seit zehn Jahren gemeinsam durchführen. Genauer gesagt werde ich aus der kinderanalytischen Perspektive – und begrenzt auf diese – die Geschichte der Projekte, die gedanklichen Grundlagen und Zielsetzungen, die Entwicklung der psychoanalytisch fundierten Konzepte beschreiben und dabei auch aufkommende Fragen und Probleme anschneiden, mit denen wir bei der Umsetzung der Projekte umzugehen hatten und haben.
Schlüsselwörter: Psychoanalytisch fundierte Prävention, Frühprävention, nicht beschulbare Jugendliche, aufsuchende Psychoanalyse, vernachlässigte Kinder, Fallsupervision.
Claudia Burkhardt-Mußmann
»ERSTE SCHRITTE« – ein psychoanalytisch basiertes Präventionsprojekt für Kleinkinder mit Migrationshintergrund
Ausgangspunkt von ERSTE SCHRITTE – dem jüngsten Projekt der verschiedenen Präventionsprojekte am Sigmund-Freud-Institut in Kooperation mit dem Anna-Freud-Institut, IAKJP, Frankfurt/Main – ist die Auseinandersetzung mit der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, die bekanntlich zu einer der vordringlichsten gesellschaftlichen Aufgaben geworden ist. Zwei Annahmen waren bei der Entwicklung von ERSTE SCHRITTE richtungsweisend: Belastende Migrationserfahrungen – bspw. bei unzureichenden Möglichkeiten zu vorbereitenden Übergängen – sind mit extrem krisenhaften Verläufen verbunden; sind sie, wie das bei den Müttern der Projektgruppen der Fall ist, zusätzlich an das Eintreten von Mutterschaft gekoppelt, die auch per se durch vulnerable Phasen gekennzeichnet ist, kann die Fähigkeit zur Empathie empfi ndlichen Störungen ausgesetzt sein und die natürliche Bindung zum Kind nachhaltig beeinträchtigt werden. Vor diesem Hintergrund ist es Ziel des Projekts, im Rahmen eines Gruppensettings, geleitet von psychoanalytisch geschulten Mitarbeiterinnen, Bedingungen zu schaffen, die Müttern/Vätern und Kindern gute frühe Beziehungserfahrungen ermöglichen. Damit setzt sich dieses Integrationsprojekt von der Defi zitorientierung der meisten Programme ab, die sich einseitig auf die Förderung von Sprache bzw. kognitiven Fähigkeiten konzentrieren.
Schlüsselwörter: Migration, Integration, Frühprävention, Sprachförderung, Beziehungserfahrung.
Karl Heinz Brisch
Prävention von emotionalen Störungenmdurch B.A.S.E.®-Babywatching
Der Beitrag beschreibt das Präventionsprogramm B.A.S.E.®-Babywatching, seinen Einsatz in Kindertagesstätten und Schulen und dessen wissenschaftliche Evaluation. Bei den teilnehmenden Kindern ergeben sich signifi kante Verbesserungen in Empathie, emotionalem Erleben, prosozialem Verhalten und hinsichtlich externalisierender und internalisierender Störungen.
Schlüsselwörter: Prävention, Gesundheitsförderung, Frühförderung, Empathie, Bindungsverhalten.
Christiane Uhl / Manfred Cierpka
Mentalisierungsförderung und »Faustlos«
Zur Prävention destruktiver Aggression
Theoretischer Schwerpunkt des Artikels ist die Frage, welche Bedeutung dem Mentalisierungskonzept von Fonagy (Fonagy, Gergely, Jurist u. Target 2011) für die Frühprävention destruktiver Aggression zukommt. Das Mentalisieren wird als elementare Grundlage der menschlichen Fähigkeit verstanden, Beziehungen einzugehen und sie aufrechtzuerhalten. Es ermöglicht den Aufbau psychischer Strukturen, die über Verstehens- und Symbolisierungsprozesse entscheidend zum Gelingen von Aufmerksamkeitssteuerung und Affektregulierung beitragen. Ist die Mentalisierungsfähigkeit unzureichend ausgebildet, kommt es zur Entgleisung von Verständigungsprozessen – oft in Form von gewalttätigem Verhalten. Am Beispiel des Gewaltpräventionsprogramms »Faustlos« wird ausgeführt, wie die Förderung von Mentalisierungsprozessen im Kindergarten praktisch umgesetzt werden kann.
Schlüsselwörter: Mentalisieren, Primäre Prävention, Frühförderung, Aggressivität, Empathie, Affektregulierung.