Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie
Zeitschrift für Theorie und Praxis der Kinder- und Jugendlichen-Psychoanalyse und der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie
Kleinkinder in Psychotherapie, Teil I
Printausgabe – Heft 160, 44. Jg., 4/2013
Inhalt
Vorwort
Gisela Wiegand
Grundlegende Jahre: die »Under Fives«
Veränderungen der psychoanalytischen Entwicklungstheorie
Hansi Kennedy
Die Technik der psychoanalytischen Behandlung von Kindern in der Prälatenz
Patricia Szogas-Fritsch
Wenn ich still halte und ruhig bin, gewinne ich
Aus der Behandlung eines 6-jährigen Mädchens mit Sehbehinderung
Forum
Gisela Klinckwort
Die Kinderanalyse eines 2-Jährigen: Wie sich die Symbolisierungsfähigkeit in der Übertragung manifestiert und entwickelt
Film und Psychoanalyse
Mechthild Zeul
Die Erschaffung eines Hybriden – Pedro Almodóvar: Die Haut, in der ich wohne (La piel que habito) (2011)
Buchbesprechungen
Die Autorinnen und Autoren des Heftes
Ankündigungen
Gisela Wiegand
Grundlegende Jahre: die »Under Fives«
Veränderungen der psychoanalytischen Entwicklungstheorie
Der Artikel befasst sich mit den Veränderungen der psychoanalytischen Theorien des Vorschulalters im Laufe der letzten einhundert Jahre. Die klassisch freudianische Theorie entwickelte sich immer mehr hin zu Konzepten der Intersubjektivität, die allerdings ihren Anspruch als umfassendes Erklärungsmuster in Bezug auf seelische Entwicklung nicht aufgaben. Gezeigt wird auch, wie häufig auch die nicht-psychoanalytische, akademische Entwicklungspsychologie mit ihren Ansätzen und Paradigmen in die psychoanalytische Theoriebildung einbezogen wurde. Es wird in kurzen Ausblicken der Frage nachgegangen, wo vor allem diese neueren Theorien – bezogen auf die »Under Fives« – im klinischen Bereich, in der Forschung und in der psychoanalytischen Pädagogik zur Anwendung kommen.
Schlüsselwörter: Psychoanalyse als Entwicklungspsychologie, Geschichte der Psychoanalyse, klinische Praxis und Forschung, psychoanalytische Pädagogik Kleinkind, Under Fives.
Patricia Szogas-Fritsch
Wenn ich still halte und ruhig bin, gewinne ich
Aus der Behandlung eines 6-jährigen Mädchens mit Sehbehinderung
Der vorliegende klinische Fallbericht zeigt, wie sich frühes traumatisches Erleben im Spiel, seinen Variationen und Wiederholungen inszeniert und vor dem Hintergrund des Übertragungsgeschehens verstehen lässt. Beschrieben wird die Gestaltung eines Spielraums in der Behandlung, der es ermöglichte, innere Zustände zu erfassen und Übergänge zwischen innerer und äußerer Welt zu entwickeln. Dieser Aspekt war bedeutsam, da die Differenz zwischen Imaginärem und Realem auf dem Hintergrund der Sehbehinderung in der frühen Entwicklung nicht sicher erfolgen konnte. Die Wiederbelebung affektiver und sensorischer Gedächtnisspuren brachte die abgespaltene und der Sprache nicht zugängliche traumatische Erfahrung zur Darstellung. Hierbei spielte die Bemächtigung der Körperlichkeit, auch des Körpers der Therapeutin, eine große Rolle. Die Bezugnahme auf Henry Krystals Theorie des infantilen Traumas und der unausweichlichen frühen Abwehrvorgänge, die Joyce McDougall beschrieb, ermöglichte ein vertieftes Verständnis der inneren Welt der Patientin.
Schlüsselwörter: Sehbehinderung, vorsprachlich, Trauma, Spiel, Wiederholung, Reaktualisierung, Affekte, sensorisches Gedächtnis, Körperlichkeit.