Analytische Psychologie
Zeitschrift für Psychotherapie und Psychoanalyse
Debatten
Debates
Inhalt
Sylvia Runkel
Editorial
Beitrag 1
Debatten I
Stefan Wolf
Einführung
Beitrag 2
Ortwin Renn
Postfaktische Verunsicherung
Die Kluft zwischen Wahrnehmung und Realität bei der Risikobewertung
Beitrag 3
Carsten Caesar
Wie leben in einer Zeit der Krise?
Gedanken über Angriffe auf den inneren psychischen Raum
Beitrag 4
Elisabeth Schörry-Volk
Hommage an die Erde – Können Mythen und Märchen als starke Korrektive wirken,
wenn die Welt droht, aus den Fugen zu geraten
Beitrag 5
Bernd Gramich
Unsere Krise und ihre Bedeutung unter kosmologischen Gesichtspunkten
Beitrag 6
Stefan Wolf
Schwierigkeiten, bei Vernunft zu bleiben
Beitrag 7
Debatten II
Volker Münch
Einführung
Beitrag 8
Jürgen Knieling
Von der Individuation zur Planetarisation –
Gedanken zu Wertewandel und Transformation in der Psychotherapie
Beitrag 9
Volker Münch
Gedanken zu Jürgen Knieling
»Von der Individuation zur Planetarisation«
Beitrag 10
Bernd Gramich
Analytische Psychologie und Klima?
Beitrag 11
Denkbild
Roman Lesmeister
Paul Klee: Angelus Novus
Beitrag 12
Gedanken verweben
Gespräch zwischen Judith Noske und Jens Preil
Stundenprotokoll
Beitrag 13
Debatten III
Michael Lindner, Dieter Treu
Einführung
Beitrag 14
Uwe Langendorf
Franz Kafka: Der Prozess und die Kabbala
Kafkas rätselhafte Beziehung zur Kabbala und ein verschwiegenes Jugendtrauma
Beitrag 15
Elisabeth Grözinger
Kein Zauberwort – nichts
Zur therapeutischen Relevanz der (archetypischen) Zugangssymbolik in Kafkas Romanfragment »Das Schloss«
Beitrag 16
Roman Lesmeister
Kafka, der Vater und die Individuation des Sohnes
Beitrag 17
Jungianische Identitäten
Wolfgang Giegerich
Motive meines psychologischen Denkens und Arbeitens
Beitrag 18
Ausstellungsbesuch
Olga Slavina
MYTHOS NIJINSKY. Tänzer / Choreograf / Zeichner.
Einblicke in die Sammlung John Neumeier und sein Ballett »Nijinsky«
Stadtmuseum Baden-Baden. 3. Oktober – 2. November 2025
Beitrag 19
Tagungsbericht
Cornelia Stegmann, Susanne Schneider
11. Forschungstagung INFAP3 am 24.8.2025 am IAAP-Kongress in Zürich
Was ist denn in dich gefahren?
Komplextheorie. Grundlagen, Forschung und Anwendungen
Buchbesprechungen
Vorschau
Förderpreis der Zeitschrift Analytische Psychologie
Richtlinien für Autorinnen und Autoren
Ortwin Renn
Postfaktische Verunsicherung
Die Kluft zwischen Wahrnehmung und Realität bei der Risikobewertung
Zusammenfassung: In Deutschland liegt die durchschnittliche Lebenserwartung für Frauen bei 84 und für Männer bei 81 Jahren. Zu verdanken ist diese äußerst positive Entwicklung vor allem vier Faktoren: einer angemessenen und ausgewogenen Ernährung, dem medizinischen und technischen Fortschritt, relativ guter sozialer Absicherung für alle Gesellschaftsmitglieder auch der ärmeren Schichten und hohen Hygienestandards. Moderne Sicherheitstechnik, organisatorische Vorsorge und staatliche Regulierung haben das Leben für die Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten immer sicherer gemacht. Dies gilt für konventionelle Risiken wie Arbeitsunfälle, Herz-Kreislauferkrankungen, Vergiftungen und technisch ausgelöste Katastrophen. Es gilt aber nicht für die sogenannten systemischen Risiken, bei denen die Funktionsfähigkeit von ganzen Funktionssystemen wie etwa Energie, Sicherheit, Wasserversorgung oder auch öffentlicher Gesundheitsfürsorge bedroht ist. Kennzeichen von systemischen Risiken sind: hohe Komplexität, starke Vernetzung untereinander, grenzüberschreitende Auswirkungen und hoher Grad an Unsicherheit bei der Abschätzung der gekoppelten Konsequenzen. Die Krisen, die wir gerade erleben, sind nicht mehr in ihren Auswirkungen unabhängig voneinander, sondern bedingen oder verstärken einander gegenseitig. Gleichzeitig lässt sich aber beobachten, dass diese systemischen Risiken in der Bevölkerung eher unter- und viele der konventionellen Risiken überschätzt werden. Welche psychologischen und soziologischen Mechanismen und Faktoren dafür verantwortlich sind, ist in der Literatur umstritten, aber eine Verunsicherung über das, was als wahr und als moralisch gültig angesehen werden kann, sowie eine generelle Enttäuschung über die Steuerungsleistungen von Staat und Wirtschaft, gepaart mit Zukunftsangst, können als wichtige Auslöser angesehen werden.
Schlüsselwörter: Risikowahrnehmung, systemische Risiken, postfaktischer Diskurs, Demokratieverdrossenheit, Populismus, Bürgerbeteiligung, Rolle der Wissenschaft im Risikodiskurs.
Jürgen Knieling
Von der Individuation zur Planetarisation – Gedanken zu Wertewandel und Transformation in der Psychotherapie
Zusammenfassung:Dieser Beitrag geht der Frage nach, ob und wie sich Theorie und Praxis unserer Psychotherapien angesichts der globalen Krisen und der gravierenden weltweiten Umwälzungen verändern müssen. Dabei sollen die Ausführungen Anstoß und Anregung für ein Weiterdenken der LeserInnen sein. Es sind Gedanken, die herausfordern. Bei Weitem liegt mit diesem Beitrag keine ausgereifte Abhandlung des Themas vor. Im besten Fall sind die Gedanken der Beginn eines Diskurses zur Frage transformativer Veränderungen in Anbetracht der Herausforderungen unserer Zeit.
Schlüsselwörter: Klimakrise; Psychotherapie; Wertewandel; Transformation; Planetary Health