Birgit Seemann / Edgar Bönisch
Das Gumpertz’sche Siechenhaus – ein »Jewish Place« in Frankfurt am Main
Geschiche und Geschichten einer jüdischen Wohlfahrtseinrichtung
1. Auflage 2019
260 S., Paperback Großoktav (23,5 x 15,5 cm)
ISBN 978-3-95558-253-1
»Was hätte aus diesem Haus noch alles werden können«, fragte bereits 1987 der Schriftsteller Adam Seide. Birgit Seemann und Edgar Bönisch erkunden entlang von Archivalien, Texten, Fotos und Zeitzeugeninterviews einen NS-vernichteten »Jewish Place«. Erstmals erzählen sie die Geschichte einer bedeutenden jüdischen Pflegeeinrichtung auf dem Röderberg, der sich von einer Wein- und Parklandschaft mit großbürgerlichen Landsitzen zu einem Ort gelebten Judentums wandelte. Erinnert wird an die Gründerinnen, Präsidenten, Bewohnerinnen und Pflegenden des Gumpertz‘schen Siechenhauses. Nach dem Krieg prägten vor allem Künstler das Gebäude. Eindrucksvoll vermittelt die Studie vielfältige Sichtweisen auf eine vergangene Institution hinter dem heutigen Erscheinungsbild der Häuser, Straßen und Plätze im Frankfurter Ostend – ein Buch für alle an der Geschichte der Mainstadt Interessierten!
Peter Feldmann,
Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main
Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich,
Präsident der Frankfurt University of Applied Sciences
Prof. Dr. Leo Latasch,
Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main
Geleitwort des Herausgebers
Hilde Schädle-Deininger,
Verein zur Förderung der historischen Pflegeforschung e.V., Frankfurt am Main
Einleitung (Eva-Maria Ulmer, Gudrun Maierhof)
Das Gumpertz’sche Siechenhaus – Geschichte und Geschichten
Erstes Kapitel (Edgar Bönisch)
»An einem der luftigsten und freundlichsten Punkte unserer Stadt, auf dem Röderberge…«
Die Familien Lindheimer und Osterrieth im Röderbergweg
Der Weinanbau in Frankfurt am Main – ein Exkurs
Lindheimers englischer Garten
Zweites Kapitel (Edgar Bönisch)
Das jüdisch geprägte Ostend und die jüdischen Institutionen im Röderbergweg
Die Israelitische Volksschule im Röderbergweg 29
Ein Altersheim im Röderbergweg 77 – die Israelitische Versorgungsanstalt
Die Israelitische Waisenanstalt im Röderbergweg 87
Das Hospital der Georgine Sara von Rothschild’schen Stiftung im Röderbergweg 93–97
Das Mathilde von Rothschild’sche Kinderhospital im Röderbergweg 109
Drittes Kapitel (Birgit Seemann)
Ein »Jewish Place« der Pflege: das Gumpertz’sche Siechenhaus in den Jahren 1888 bis 1906
Ein Frankfurter jüdischer Pflegeort als ›Makom‹ und ›Jewish Place‹
Sozialethische Gründungsmotive: Zedaka und Gemilut Chassadim
Eine fromme Jüdin aus Warmaisa: Betty Gumpertz
»Unterkunft und Pflege« – das Gumpertz’sche Siechenhaus öffnet 1888 seine Pforten
Viertes Kapitel (Birgit Seemann)
Stifterinnen, Bewohnerinnen und zwei Oberinnen – Frauengeschichte(n) rund um das Gumpertz’sche Siechenhaus in den Jahren 1907 bis 1932
Ein neues »Haus für weibliche Sieche«
»[…] der Stadt, in welcher das Stammhaus meiner Familie steht« – Mathilde von Rothschild und ihre Töchter
Die »Blinde, ein Lichtblick« – ›Gustchen‹ und andere Bewohnerinnen
»Geschick, Pflichttreue und große Herzensgüte« – Thekla Isaacsohn und Rahel Seckbach, die Oberinnen des Gumpertz’schen Siechenhauses
»Jewish Space«: die Kehilloh Gumpertz und ihr Makom auf dem Röderberg
Weihnukka im Vorderhaus: das Pflegeheim im Ersten Weltkrieg
Die »Zufluchtsstätte« erhalten – das Gumpertz’sche Siechenhaus in den Krisenjahren der Weimarer Republik
Fünftes Kapitel (Birgit Seemann)
»Familie« und »Schicksalsgemeinschaft« – die Kehilloh Gumpertz in der NS-Zeit (1933–1941)
Verfolger als ›Nachbarn‹: das jüdische Hinterhaus und das nationalsozialistisch besetzte Vorderhaus
Röderbergheim und Brauer-Institut
›Schicksalsgemeinschaft‹ im Hinterhaus
Ein Jewish Place wird vernichtet
Rahel Seckbach und der verlorene Jewish Place: Frankfurt – Theresienstadt – Manchester
Sechstes Kapitel (Edgar Bönisch)
Der Röderbergweg 62–64 nach dem Zweiten Weltkrieg
Handwerkerinnen, Handwerker und Geschäftsleute im Haus
Eine avantgardistische Kunstszene entwickelt sich
Die Künstlerszene im Röderbergweg 62–64
Adam Seide
Rosa von Praunheims erster Kurzfilm
Die Kinderläden
Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) auf dem Grundstück des ehemaligen Gumpertz’schen Siechenhauses
Siebtes Kapitel (Edgar Bönisch und Birgit Seemann)
»Was hätte aus diesem Haus noch alles werden können...« – neu entdeckte Orte der Erinnerung an das Gumpertz‘sche Siechenhaus
Einweihungstafel und Grabmäler – Frankfurter Jüdische Friedhöfe
Straßen und Plätze
Charles-Hallgarten-Hof – Frankfurt University of Applied Sciences
›Stolpersteine‹ für Hedwig Flora Hausmann und das Ehepaar Wronker
Gedenkort Großmarkthalle im Ostend
Erinnerung an einen jüdischen Pflegeort: eine Gedenktafel für das Gumpertz’sche Siechenhaus am August-Stunz Zentrum (Senioren- und Pflegeheim)
Die Website ›Jüdische Pflegegeschichte‹ – ein »virtuelles Denkmal«
Verzeichnis der Quellen, Literatur und Links
Bildnachweise
Dank
Birgit Seemann, Dr. phil., Sozialwissenschaftlerin und Historikerin, 2005 Gastprofessorin an der Lettischen Kulturakademie in Riga; seit 2006 Autorin und Redakteurin des Forschungsprojekts »Jüdische Pflegegeschichte« an der Frankfurt University of Applied Sciences. Auftragsstudien und zahlreiche Fachbeiträge zur Biografie-, Institutionen- und Berufsgeschichte der jüdischen Krankenpflege in Deutschland, 2014–2016 Preisträgerin der »Förderung zeitgeschichtlicher Forschung in Nürnberg und der Vermittlung ihrer Ergebnisse (FZFN)« des Verlags testimon.
Edgar Bönisch, Dr. phil., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt »Jüdische Pflegegeschichte« an der Frankfurt University of Applied Sciences. Neben der Pflegegeschichte gilt sein Interesse als promovierter Ethnologe insbesondere der Organisationsethnologie. Auch als Verleger möchte er das Interesse an historischen und gegenwärtigen Kulturen wecken. Im kula Verlag für Ethnologie und Kulturwissenschaften verlegt er wissenschaftliche Literatur.
(Bruno Rieb, der neue Landbote)
»Birgit Seemann und Edgar Bönisch rekonstruieren auf der Grundlage unterschiedlicher Quellen, etwa Archivalien, Texte, Fotos und Gesrpräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen die Geschichte des ›Gumpertz'schen Siechenhauses‹, das sie auch als einen bedeutenden ›Jewish Place‹ sehen, in einer Reihe vieler anderer Einrichtungen aus der jüdischen Regionalgeschichte, die seit einer Weile besonderer Gegenstand von Forschungen weltweit ist.«
(Anne Lemhöfer, efo-magazin, Evangelisches Frankfurt und Offenbach)
»Mit seiner sorgfältigen Aufarbeitung leistet der Band einen wichtigen Beitrag zur historischen Dokumentation der Krankenpflege in Deutschland.«
(Soziale Arbeit)
»Das Buch entwickelt eine geradezu cineastische Wirkung, der man sich auch ohne eigene Verwurzelung in Frankfurt am Main schwer entziehen kann. Das Buch ist ein würdiges Denkmal für das ehemalige Gumpertz'sche Siechenhaus in Frankfurt am Main und ein Gewinn für die historische Pflegeforschung.«
(Dr. Anja Katharina Peters, Dr. med. Mabuse)
Am 12. November 2020 fand zum Thema des Buches eine Soirée am Dom als Livestream statt. Über diesen Link gelangen Sie zu der Aufzeichnung der Veranstaltung.
Das Gumpertz‘sche Siechenhaus (1888–1941) gehörte zu den jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen im Frankfurter Ostend. Interkulturalität wurde im Haus ebenso gelebt wie im interkonfessionellen Pflegeteam. Lernen Sie spannende Biografien kennen: die Stifterin Betty Gumpertz, Oberin Rahel Seckbach, Pflegekind Gustchen.
Dr. Edgar Bönisch, Ethnologe
Dr. Birgit Seemann, Sozialwissenschaftlerin
Prof. Dr. Eva-Maria Ulmer, Projektleitung
Kooperation:
Forschungsprojekt www.juedische-pflegegeschichte.de an der Frankfurt University of Applied Sciences