Fritz Lackinger / Walter Kabelka (Hrsg.)
Neurowissenschaftliche Grundlagen der Psychoanalyse
Sigmund Freud (1895): Entwurf einer Psychologie
Mark Solms (2020): Neuer Entwurf einer Psychologie
1. Auflage 2026
160 S., Paperback Großoktav (24 x 17 cm)
ISBN 978-3-95558-421-4
Sigmund Freud hat als Erster bereits 1895 den Versuch unternommen, eine neuropsychologische Begründung der Psychoanalyse zu entwickeln. Mit dem Zugang zu den heutigen Erkenntnissen der Neurowissenschaften greift Mark Solms das Unterfangen wieder auf und legt 2020 einen »Neuen Entwurf einer Psychologie« vor, worin er neben seinen eigenen Forschungserkenntnissen auch Karl Fristons Prinzip der Freien Energie und Jaak Panksepps Theorie der Emotionssysteme aufnimmt und in Freuds Originalarbeit einschreibt. Welche Erkenntnisse bereits bei Freud vorliegen und was Mark Solms hinzufügt und neu formuliert, wird durch die Gegenüberstellung beider Texte in diesem Band ersichtlich.
Seit Freud haben sich klinisch tätige Psychoanalytiker kaum für Neurobiologie interessiert. Auch die bis vor Kurzem gängige Unterscheidung in der Psychiatrie zwischen »organisch bedingten« und »funktionellen« Störungen vertiefte die institutionelle Trennung. Kaum beachtet wurde, dass mit dieser Aufteilung auch ein philosophisches Erbe mittransportiert wurde: der Leib-Seele-Dualismus, die cartesianische Vorstellung zweier getrennt existierender Substanzen – einer materiellen und einer immateriellen Welt. So hat sich über ein Jahrhundert hinweg eine eigentümliche Kluft aufgetan: Während die Psychoanalyse sich auf die Tiefen des subjektiven Erlebens konzentrierte, suchte die Neurowissenschaft in den Strukturen des Gehirns nach Gesetzmäßigkeiten des Verhaltens. Erst der historische Blick auf die Entstehung und wechselvolle Editionsgeschichte seines »Entwurfs einer Psychologie« zeigt, dass Freud die naturwissenschaftliche Fundierung des Seelischen keineswegs verwarf, sondern unter den Bedingungen seiner Zeit schlicht nicht weiterführen konnte.