Sebastian Leikert
Psychoanalytische Traumabehandlung und somatische Narration
1. Auflage 2026
232 S., Paperback Großoktav (24 x 17 cm)
ISBN 978-3-95558-434-4
Überlegungen zur Rolle der Traumabearbeitung im Therapieprozess und zu den Indikationsbereichen für die somatische Narration werden diskutiert. Leikert untersucht charakteristische Prozesse in Übertragung und Gegenübertragung und vermittelt Prinzipien der Handhabung der Gegenübertragung. Zudem wird der Zusammenhang von Traumgeschehen, Tiefenregression und physiologischen Prozessen beschrieben und mit aktuellen Autoren wie Mark Solms, aber auch mit Klassikern wie Donald Winnicott in Austausch gebracht.
Ein unersetzbares Praxisbuch für den Umgang mit schwer gestörten Patienten. Es erkundet den Aufbau der subsymbolischen Abwehrstruktur (Verkapselung, Wahrnehmungsabwehr) und die Dynamik des körperlichen Unbewussten. Anhand vieler Fallbeispiele werden typische Prozesse und Therapieentwicklungen beschrieben. Daneben wird die Wirkung einer Traumatisierung auf Ich- und Über-Ich-Strukturen beschrieben. Insbesondere das Über-Ich nimmt die Vernichtungserfahrung des Traumas auf und wird verfolgend. Freuds Beschreibung – »was nun im Über-Ich herrscht, ist wie eine Reinkultur des Todestriebes« (Freud 1923b, S. 283) – wird jetzt verständlich.
Einleitung
Die Baum-Mensch-Erfahrung (Hieronymus Bosch)
Eine Theorie der Behandlungstechnik bei traumatischen Einschreibungen
Der Dreischritt der Strukturbildung und ihr Zusammenbruch
durch die Traumatisierung
Die Fabrik der Emotionen – das körperliche Unbewusste und das verkapselte Körperengramm
Die somatische Narration – Der Elefant im Raum wird sichtbar
Kapitel 1
Das Körperselbst: Verarbeitungskapazität und Körpergedächtnis
Körperselbst und Verarbeitungskapazität – Von der Musik des Körper-zu-Körper-Dialogs
Das Trauma beschädigt die zentrale Verarbeitungskapazität des Körperselbst
Fallen, Kälte, Leblosigkeit – Das Körperselbst als Gedächtnissystem – klinisch relevant sind Traumaspuren
Das Trauma als Zusammenbruch des Dialogischen und toxische Symbolisierung – Überlegungen zur Symbolisierungsstörung
Toxische Symbolisierung als Zusammenbruch der dialektischen Natur der Sprache
Kapitel 2
Das Körperselbst und die Entwicklung des psychoanalytischen Traumabegriffs
Die Entwicklung des Traumabegriffs bei Freud
Ferenczi und das körperliche Erinnerungssymbol
Wahres Selbst und Körperselbst bei Winnicott
Das kumulative Trauma bei Mohammed Masud Khan und das Körperselbst
Tustin und der innere Aufbau einer Traumaspur
Gaddini und der Körper-Psyche-Körper-Kurzschluss
Dejours: biologischer und erotischer Körper
Lombardi und das Fokussieren der Körper-Psyche-Dissoziation
Kapitel 3
Trauma, Todestrieb und Schutzprinzip – Folgerungen aus Freuds Schrift Jenseits des Lustprinzips
Jenseits des Lustprinzips
Trauma, Schutzprinzip und die Orte seelischen Rückzugs
»Was nun im Über-Ich herrscht, ist wie eine Reinkultur des Todestriebes« – Trauma und verfolgendes Über-Ich
Die Ich-Struktur des Traumatisierten
»Ich muss meinen Kopf gegen eine harte Tür schlagen, um mich wieder in meinen Körper zurückzuholen« – Symbolisierungsstörung und künstlerische Produktion
Pessoas Überseekoffer – Seelischer Rückzug in der Literatur
Somatische Narration als begleitete Begegnung mit dem Trauma (Fallbericht 1)
Den Todestrieb besiegen
Varianten des Schutzprinzips
Lustprinzip/Realitätsprinzip versus Schutzprinzip und die Dynamik der Retraumatisierung
Über-Ich-Pathologie und Behandlungstechnik
Spaltungsprozesse in allen Instanzen – die dritte Topik
Der Todestrieb, ein unsympathisches Konzept und euphemistischere Formulierungen
Kapitel 4
Verkapselte Körperengramme – Einschreibung und Abwehrstruktur
Die Abwehrstruktur des körperlichen Unbewussten
Leibliche Desorganisation und drei Abwehrmechanismen
Leibliche Abwehrmechanismen und Behandlungstechnik
Toxische Fusion und primäre Separation
Kapitel 5
Somatische Narration, Prinzipen und Orientierungspunkte
Der Einstieg in die somatische Narration
Somatische Narration und Erklärung
Grundregel und Primat der Traumabearbeitung
Kontamination und Dekontamination
Die Tiefenregression in der somatischen Narration
»Als Therapeuten solcher Patienten müssen wir uns einen Tunnel durch den Schutt graben, um an sie heranzukommen« – Aktives Fokussieren und zurückhaltendes Begleiten der Wahrnehmung ersetzen die Deutung als Leittechnik
Die Handhabung von Übertragung und Gegenübertragung in der somatischen Narration
Einstiegsstellen für die Arbeit mit Körperempfindungen
Das unwegsame Gelände der Traumaspuren – Spuren einer perinatalen Operation (Fallbericht 2)
»Der Erdrutsch« (Fallbericht 3)
Die Psycho-Physiologie der Atmung und Wirkmechanismen der somatischen Narration
Angst, Atemschema und Traumaspuren
Neuropsychoanalyse und Veränderungsprozess
Zur Frage der Aktivität in der somatischen Narration
Das Nicht-Containment containen
»Durch die Couch fallen« (Fallbericht 4)
Kapitel 6
Traum und Trauma – The dark side of the dream
Symbolisierungsstörung, Traum und primäre Separation (Fortsetzung Fallbericht 1)
Träume als Wendepunkte im analytischen Prozess
Somatische Narration und leibliches Durcharbeiten des Traums
»Ein Embryo ohne Nabelschnur« (Fallbericht 5)
Metapsychologische Ergänzung zur Arbeit am Traum
Kapitel 7
Prozessvorstellungen in der psychoanalytischen Traumabehandlung
Der idealtypische Prozessverlauf
Regression und Tiefenregression
Prozessmodell der somatischen Narration und andere Prozessvorstellungen
Traumaauflösung und Progression
Der referentielle Prozess (Bucci)
Das Prozessmodell einer Behandlungsstunde und Winnicotts Thesen zur Bearbeitung früher Selbststörungen
Verschiedene Formen der Arbeit mit der somatischen Narration
Affektdifferenzierung und Auflösen von Hemmungsmustern
Kapitel 8
Indikation und Kontexte der Arbeit mit der somatischen Narration
Die Furcht vor der malignen Regression
Komplexe Traumatisierungen in der ambulanten und stationären Psychotherapie
Die Kontraindikation zur somatischen Narration und die implizite Arbeit mit Traumaspuren
Krisenintervention und somatische Narration
Psychose und somatische Narration – Schrebers »Nervensprache« und Merleau-Pontys »Zwischenleiblichkeit«
Somatische Narration bei Schmerzpatienten
Agenesie – Die Nicht-Entwicklung des erotischen Körpers
Zugvögel – Das Selbst im Schwarm der Geschwister (Fallbericht 6)
Behandlung einer Kriegstraumatisierung (Fallbericht 7)
Narzissmus, Medienwelt und die Eskamotierung des Körperselbst
Settingfragen und Medienwelt – Couch, Face-to-Face, Medienwelt
Setting und Frequenz
Somatische Narration und mediengestützte Zusammenarbeit
Abschließende Bemerkungen
Glossar
Literatur
![]() |
Sebastian Leikert , Dr. en Psychanalyse (Paris), Dipl.-Psych., Psychoanalytiker (DGPT), affiliiertes Mitglied der DPV/IPA. Niedergelassen in eigener Praxis in Saarbrücken. Lehranalytiker, Dozent und Supervisor am Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Heidelberg (DGPT); Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse und Musik (DGPM). Mitglied im Editorial Board der Zeitschriften International Journal of Psychoanalysis und The Psychoanalytic Quaterly. Arbeiten zu ästhetischen und klinischen Fragestellungen. Letzte Veröffentlichungen: Das körperliche Unbewusste in der psychoanalytischen Behandlungstechnik (Hrsg.) (2022) bei Brandes & Apsel. Therapeutische Präsenz, Traumaspuren, verkapselte Körperengramme – Zur Arbeit mit der Somatischen Narration. Fachzeitschrift Psyche (2024). Voice, Body-Self and Trauma in the Analytic Space. International Journal of Psychoanalysis (2025). |
