Elisabeth Leuschner-Gafga / Wolfgang Leuschner (Hrsg.)
Vom Börneplatz zur Friedberger Anlage – gegen Antisemitismus in Frankfurt am Main
Geschichte der Initiative 9. November (1988–2020). Erfahrungen, Berichte, Dokumente
Der Titel erscheint vorraussichtlich im September 2026.
1. Auflage 2026
ca. 380 S., Paperback Großoktav (24 x 17 cm) mit zahlreichen Abbildungen, Fotos und Dokumenten
ISBN 978-3-95558-436-8
Beiträge von Esther Alexander-Ihme, Ute Daub, DiWi Dreysse, Judith Freise, Kurt Grünberg,
Bernard Jacobson, Elisabeth Leuschner-Gafga,
Wolfgang Leuschner, Beate Scheunemann,
Carola Seiz und Dieter Trautwein
Berichtet wird über die mehr als 30-jährige Arbeit in der »Initiative
9. November Frankfurt am Main«. Die Gruppe jüdischer und nicht-jüdischer Mitglieder hatte sich 1988 in dieser Bürgerinitiative zusammengefunden, um nach dem Scheitern des Protestes am Börneplatz Vergleichbares zu verhindern. Am Ort der im Pogrom 1938 zerstörten größten Synagoge Frankfurts an der Friedberger Anlage begann sie, deren zubetonierte und vergessene Geschichte zu erforschen und öffentlich sichtbar zu machen. Gegen viele politische und bürokratische Widerstände konnte die Initiative ab 2002 Innenräume des hier 1942 errichteten Luftschutzbunkers für Veranstaltungen und Ausstellungen nutzen.
Der Ort wurde Zentrum für Begegnungen mit Besucherinnen und Besuchern aus dem In- und Ausland, Nachkommen von Überlebenden, Wissenschaftlern, Schriftstellern und verwandten politischen Gruppen. Bei eigenen Grabungen entdeckten Mitglieder noch vorhandene Synagogenreste, deren Offenlegung nun die wichtigste Forderung der Gruppe wurde.
Die schwierigen örtlichen Gegebenheiten und sich ändernde politische Verhältnisse erzwangen permanent neue kreative, perspektivisch gut durchdachte Lösungen. In der Tradition der 68er-Generation stehend arbeiteten die Mitglieder basisdemokratisch, antihierarchisch, ehrenamtlich und interdisziplinär »mit der Leidenschaft von Dilettanten« zusammen. Dies förderte eine besondere Sensibilisierung für erinnerungspsychologische Fragen und ermöglichte die Entwicklung einer eigenen Erinnerungsmethode, die sich von pädagogischer und musealer Belehrung grundsätzlich unterschied. Entscheidend dafür waren die Gegebenheiten des Bunkers mit seinem »Untergrund«, seiner historischen Vielschichtigkeit, die das »Erinnern« einerseits mit konkreter Aufbau-, Aufklärungs- und Vermittlungsarbeit, andererseits mit dauerndem »Graben« verband. Die Weiträumigkeit und Kälte des Bunkers beförderten bei Mitgliedern und Besuchern zudem einen Vergegenwärtigungsprozess, der maßgeblich von den Berichten der Überlebenden und den gezeigten Fotodokumenten angeregt wurde und in besonderer Weise Erschrecken, Mitgefühl und Handlungsbereitschaft weckte. Es wurde das ermöglicht, was Hannah Arendt als »Geschichte begreifen« bezeichnet hatte.