Bernd Heyl
Wilhelm Hammann – Ein Gerechter unter den Völkern
Biografie eines hessischen Antifaschisten
1. Auflage 2026
276 S., Paperback Großoktav (24 x 17 cm), mit zahlreichen Fotos und Dokumenten, durchgängig vierfarbig
ISBN 978-3-95558-415-3
Wilhelm Hammann, geboren am 25. Februar 1897 in Biebesheim, während der Nazizeit politisch verfolgt und im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert, war 1945 Blockältester im Block 8, einem der beiden Jungenblocks des KZ Buchenwald. In den letzten Tagen vor der Befreiung bewahrte er 159 jüdische Jungen vor dem Todesmarsch, den die SS bereits geplant hatte. Für diese Rettungstat ehrte ihn Yad Vashem am 18. Juli 1984 als Gerechter unter den Völkern.
Wer war dieser Wilhelm Hammann? Seine politische Sozialisation war eng verbunden mit Erlebnissen am Ende des Ersten Weltkriegs. In Halle beteiligte er sich an der Novemberrevolution 1918 und kehrte als überzeugter Revolutionär aus dem Krieg zurück in den Kreis Groß-Gerau (Hessen). Ende des Jahres 1920 wechselte er von der USPD zur KPD. Somit ist seine Geschichte eng verbunden mit der einer sozialen und politischen Massenbewegung. Dies wirft Fragen auf, denen Bernd Heyl in seiner Forschung nachgeht: Welche Erfahrungen und Überzeugungen prägten ihn als Lehrer und Kommunisten, als Landtagsabgeordneten des Volksstaates Hessen, als Häftling Nr. 1224 im KZ Buchenwald oder als kommunistischen Aktivisten und Groß-Gerauer Landrat in der unmittelbaren Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg? Und warum geriet Hammann in der alten Bundesrepublik nach seinem nie wirklich aufgeklärten Unfalltod in Vergessenheit?
Bernd Heyl stellt die Frage nach den Perspektiven einer aktuellen Erinnerungskultur, nach einem kollektiven Gedächtnis, das Geschichte verstehen will und auch die Erfahrungen derjenigen aufnimmt, die ihr Leben dem Kampf für soziale Gerechtigkeit und gegen den Faschismus gewidmet haben.
2. Kindheit und Jugend
3. Der Erste Weltkrieg und die Revolution 1918/19
4. Berlin: Die unvollendete Revolution
Revolution in der hessischen Provinz?
5. Lehrer und Freidenker – die Jahre in Wixhausen
6. Die Spaltung der Arbeiterbewegung 1918–1933
Kein Pfennig den Fürsten!
Revolutionäre Gewerkschaftsopposition (RGO) bei Opel
Der Kampf der roten Kommune Mörfelden
Naziterror in Groß-Gerau
Das Parlament als Tribüne des Klassenkampfes
Zerbrecht den Prügelstock!
Mit den Hungernden gegen die Satten!
Auf zum letzten Gefecht!
Der Weg in die Niederlage
7. Verfolgung und Widerstand 1933–1945
Bis der Nazibunker sie eint
Illegaler Wiederaufbau von KPD und KJVD 1934/1935
Zuchthaus und Konzentrationslager – von Marienschloss nach Buchenwald
»Schutzhäftling« in Buchenwald
Der Kinderblock 8 und eine illegale Schule
Die Organisation des Widerstandes
8. Gemeinsam den Karren aus dem Dreck ziehen
Strafende Sieger
Antifaschistische Aktivitäten 1945 bei Opel Rüsselsheim
Landrat im Kreis Groß-Gerau
Schutt und Trümmer
Lebensmittelversorgung
»Entnazifizierung«
Politischer Neubeginn
Als Landrat beurlaubt
»Buchenwald-Case« Gefangenen Nr. 29-14067
9. Der Kampf gegen Wiederbewaffnung und Westintegration
Der antifaschistische Grundkonsens löst sich auf
Ein Landrat außer Dienst
Rolle rückwärts I: Die CDU
Rolle rückwärts II: Die KPD
Die Grundtorheit unserer Epoche
Der »Bund Deutscher Jugend«
Die Nazis kommen zurück oder: »Die zweite Schuld«
Nie wieder Barras!
Gesamtdeutscher Arbeitskreis der Land- und Forstwirtschaft
Überall lauern Tod und Vernichtung
10. »Er war ein feiner Mensch!«
11. Erinnern und Gedenken
Erste Initiativen nach 19452
Wilhelm Hammann in der DDR – frühe Berichte
Erinnern und Gedenken in der DDR – Wilhelm Hammann als »Ehrenname«
Die »Dekonstruktion« des Antifaschismus
Grabe, wo du stehst!
Schule im Dritten Reich. Erziehung zum Tod
Ehrung durch Yad Vashem – Debatten im Kreis Groß-Gerau
Eine neue Gedenk- und Erinnerungskultur: Engagement der Zivilgesellschaft
Wilhelm Hammann in der Groß-Gerauer Erinnerungslandschaft
Anmerkungen zur Quellenlage
Anhang: Eidesstattliche Erklärung Wilhelm Hammanns vom 6. März 1947
Literatur
Archive und Bibliotheken
Genutzte Zeitungen und Zeitschriften
Abkürzungsverzeichnis
Dank
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Bernd Heyl, geb. 1952, war Lehrer an der Martin-Niemöller-Schule Riedstadt (Hessen; IGS), pädagogischer Mitarbeiter an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. und Vorsitzender des Gesamtpersonalrates beim Staatlichen Schulamt in Groß-Gerau; in der GEW, sozialpolitischen Initiativen und der politischen Erwachsenenbildung aktiv. Publikationen u. a. zur Schulentwicklung und zur NS-Zeit. Bei Brandes & Apsel gemeinsam mit Sebastian Voigt und Edgar Weick erschienen: Ernest Jouhy – Zur Aktualität eines leidenschaftlichen Pädagogen (2017). Autor von Namibische Gedenk- und Erinnerungsorte – Postkolonialer Reisebegleiter in die deutsche Kolonialgeschichte (2022). |
»Das lesenswerte, 273 Seiten starke Buch bietet mit einer Fülle an quellengestützten Fakten, Zitaten und Fotos einen tiefgründigen Einblick in die Zeit, in der Hammann aufwuchs und lebte. (...) Und so lässt Bernd Heyl in seinem Buch zwei Stränge des Lebens eines ›grundanständigen Menschen mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn‹ parallel laufen: den engagierten Pädagogen Wilhelm Hammann einerseits mit seiner Tätigkeit an der Volksschule Wixhausen und seinem Engagement für die Jungen im KZ Buchenwald. Und den idealistischen, kampfbereiten, von seinen moralischen Überzeugungen geleiteten Kommunisten Wilhelm Hammann auf der anderen Seite.« (Wulf-Ingo Gilbert, Darmstädter Echo)
»Um Hammanns unerschrockenen Denkungsart und seinem Mut zum Widerstand gerecht zu werden, mahnt Bernd Heyl eine Erinnerungskultur an, die die Erfahrungen aufnimmt, die Hammann und andere Antifaschisten machten, indem sie ihr Leben dem Kampf für soziale Gerechtigkeit und gegen Faschismus widmeten. Heyl verknüpft die Biografie Wilhelm Hammanns eng mit dem Zeitgeschehen von 1918 bis 1955. Die letzten Kapitel des Buches tragen das Motto: ›Er war ein feiner Mensch‹ und der Leser wird darin gewahr, wie sehr Hammanns Kampf gegen Faschismus in unsere Gegenwart greift.« (Groß-Gerauer Echo)
»Bei der Vorstellung des Buchs (...) hob Landrat Thomas Will die Leistungen und die Menschlichkeit Wilhelm Hammanns hervor, der 1984 von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern geehrt wurde. Sein Leben sei bewegend, eindrucksvoll und widersprüchlich gewesen. Auf jeden Fall müsse man sich mit seiner Persönlichkeit auseinandersetzen: ›Er war ein Mensch, der in Zeiten größter Unmenschlichkeit Verantwortung übernommen hat, in einer Zeit, in der Menschen zu Nummern wurden.‹« (Harald Freiling, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft)
»Heyl präsentiert mehr als eine Biografie von Wilhelm Hammann, denn er bettet alle Stationen von Hammanns Leben ein in die politischen Verhältnisse, insbesondere auch in die Geschichte der
verhängnisvollen Spaltung der Arbeiterbewegung. Welche Erfahrungen und Überzeugungen prägten Hammann als Lehrer, als Gemeindevertreter und als Landtagsabgeordneter des Volksstaates Hessen? Und was bewegte ihn als kommunistischen Aktivisten und Groß-Gerauer Landrat unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg? (...) Heyls Fokussierung auf die biografischen und regionalen Details fördert viele neue eindrucksvolle Details und Zusammenhänge zu Tage. (...) Heyl hat jetzt auf der Grundlage eines umfassenden Einblicks in die Archive und insbesondere auch in die Literatur zur Geschichte der Arbeiterbewegung die ausführliche und detailreiche ›Biografie eines hessischen Antifaschisten‹ vorgelegt. Besonders intensiv reflektiert Heyl auch die Erinnerung an Wilhelm Hammann, der in seiner Heimat erst ausgegrenzt und dann vergessen und in der DDR dagegen ›als herausragender Antifaschist gewürdigt wurde‹.« (Harald Freiling, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft)
