Thomas Kleinspehn
»Wir sind die Kraft«
Politik und Zivilgesellschaft in Nordhausen/Thüringen von 1848 bis zum Widerstand gegen den Faschismus
Der Titel erscheint vorraussichtlich im März 2027.
Vorschau
1. Auflage 2027
ca. 280 S., Paperback Großoktav (24 x 17 cm)
ISBN 978-3-95558-443-6
Auf zwei ganz unterschiedlichen Ebenen geht dieses Buch auf die Suche nach einer speziellen sozialen und politischen Entwicklung im thüringischen Nordhausen und dem Südharz, die man oft als »Sonderweg« bezeichnet hat. Untersucht wird das auf einer allgemeinen historischen Ebene und am Beispiel des Sozialdemokraten Johannes Kleinspehn, Großvater des Autors und entscheidend an dieser Entwicklung beteiligt. Deshalb hat das Buch noch die zusätzliche Ebene der Familiengeschichte, die aus Briefen und anderen Dokumenten rekonstruiert wird. Sie reicht von der Weimarer Republik über den Zweiten Weltkrieg und das gespaltene Deutschland bis ins Kolumbien der Jahrtausendwende.
Dabei stellen sich Fragen nach Differenzen und Wiederholungen. Im Buch werden beide Ebenen zusammen betrachtet und ihre psychohistorischen Schnittstellen und Widersprüche (und Nachwirkungen in der Familie bis in die Gegenwart) werden aufgezeigt. Der Text hat also zwei Stränge: einen sachlich-wissenschaftlichen und einen subjektiven, der in Ich-Form gehalten ist.
Vor allem zwischen 1900 und 1933 hatte sich in Nordhausen eine Kultur herausgebildet, in der Politik und Zivilgesellschaft zusammenkamen. Sozialisten und Liberale trafen auf kritische Vertreter der Kirchen und der starken jüdischen Gemeinde. Einer der wichtigsten Vertreter dieser Ausrichtung war der Chefredakteur der Nordhäuser Volkszeitung und Abgeordnete im Preußischen Landtag, Johannes Kleinspehn. Er brachte zivilisationskritische Vorstellungen mit, die sich einerseits am Sozialismus und basisdemokratischen Ideen orientierten, andererseits auch Wurzeln in der Lebensreformbewegung und dem religiösen Sozialismus des 19. Jh. hatten. Daraus ergab sich ein radikaler Antifaschismus, der nach 1933 zu Kleinspehns Mitgliedschaft in einer Widerstandsgruppe in Berlin (Deutsche Volksfront) führte. Die Gruppe wurde 1938 zerschlagen, die Mitglieder verhaftet. Johannes Kleinspehn starb im KZ-Sachsenhausen.